Warum High Performer seit Jahrzehnten Kaugummi kauen

Warum High Performer seit Jahrzehnten Kaugummi kauen

Warum High Performer seit Jahrzehnten Kaugummi kauen

Du kaust Kaugummi schon dein halbes Leben. Aber hast du gewusst, dass der Kaufprozess selbst dein Gehirn aktiviert?

Es klingt fast zu simpel, um wahr zu sein: Ein Kaugummi kauen und du konzentrierst dich besser. Aber hinter dieser Beobachtung steckt über 80 Jahre Forschungsgeschichte und mehr als 20 Studien, die genau das untersucht haben.

Eine kurze Geschichte: Kaugummi und das Gehirn

Bereits 1939 beobachtete der Psychologe Harry Hollingworth, dass Kauen die Entspannung fördert und zugleich die kognitive Leistung bei einfachen Aufgaben wie Tippen und Zahlenprüfen verbessert. Seitdem ist das Thema nicht mehr aus der Forschung verschwunden.

EEG-Studien zeigten, dass Kaugummikauen mit aromatisiertem Gum die Beta-Aktivität im Gehirn erhöht, ein Muster, das mit Arousal und erhöhter Wachheit assoziiert wird. Kurzum: Dein Gehirn wird durch den Kauvorgang aktiver.

Was passiert im Gehirn, wenn du kaust?

Kauen ist keine rein mechanische Tätigkeit. Es aktiviert ein weit verzweigtes Netzwerk im Gehirn, darunter motorische Areale, den präfrontalen Kortex sowie Strukturen, die mit Aufmerksamkeit, Arbeitsgedächtnis und emotionaler Regulierung zusammenhängen.

Konkret passiert dabei unter anderem folgendes:

Die Durchblutung im präfrontalen Kortex nimmt während des Kauens messbar zu. Dieser Bereich ist zentral für Planung, Aufmerksamkeit und kognitive Kontrolle. Gleichzeitig aktiviert der Kauvorgang das aufsteigende retikuläre Aktivierungssystem, ein Teil des Hirnstamms, der die allgemeine Wachheit reguliert. Neuere Neuroimaging-Studien zeigen außerdem, dass Kauen prämotorische und zingulo-frontale Netzwerke rekrutiert, die an exekutiven Funktionen beteiligt sind.

Was die Studien sagen

Ein systematisches Review von Hirano & Onozuka aus dem Jahr 2015, veröffentlicht in BioMed Research International, analysierte 22 Studien zu Kauen und Aufmerksamkeit. Das Ergebnis: 64% der Studien zeigten positive Effekte auf Aufmerksamkeit und Wachheit, insbesondere auf die sogenannte Sustained Attention, also die Fähigkeit, über längere Zeit fokussiert zu bleiben.

Eine Cross-over-Studie von Smith (2010) mit 133 Probanden ergab, dass Kaugummikauen mit höherer Wachheit, besserer Stimmung und schnelleren Reaktionszeiten assoziiert war und dieser Effekt wurde bei schwierigeren Aufgaben sogar stärker.

Allen & Smith (2015) untersuchten den Effekt über einen ganzen Arbeitstag hinweg: Kauen war mit höherer Produktivität, weniger kognitiven Problemen und einer Abmilderung des typischen Leistungsabfalls im Verlauf des Tages verbunden.

Eine aktuelle Studie aus dem Jahr 2024, veröffentlicht in Nutritional Neuroscience, bestätigte außerdem: Kaugummikauen reduziert Fehler bei Aufmerksamkeitsaufgaben sowohl während des Kauens als auch noch eine Stunde danach.

Warum funktioniert das?

Die Forschung diskutiert mehrere Mechanismen:

Erhöhte Herzrate & Cortisol-Ausschüttung: Kauen aktiviert das sympathische Nervensystem, das leicht die Wachheit und die Alertness erhöht, ohne dabei Stress auszulösen.

Insulinausschüttung: Der Kauvorgang signalisiert dem Körper die bevorstehende Nahrungsaufnahme. Das löst eine leichte Insulinantwort aus, die Glukose ins Gehirn transportiert, den bevorzugten Brennstoff für kognitive Prozesse.

Rhythmischer Bewegungseffekt: Rhythmisches Kauen hat eine ähnliche Wirkung wie andere repetitive Bewegungen. Es kann helfen, den Geist zu zentrieren und Ablenkungen zu reduzieren.

Kaugummi als Vehikel für Wirkstoffe

Es gibt noch einen weiteren Vorteil, der über den reinen Kaueffekt hinausgeht: Kaugummi ist ein besonders effektives Aufnahmemedium für funktionelle Inhaltsstoffe.

Durch die sublinguale Aufnahme – direkt über die Mundschleimhaut – gelangen Wirkstoffe schneller ins Blut als durch Kapseln oder Getränke, die erst im Magen und in der Leber passieren müssen. Das macht Kaugummi zur idealen Darreichungsform für Substanzen, bei denen ein schneller Wirkungseintritt gewünscht ist.

Fazit

Kaugummikauen ist kein Mythos. Die Forschung zeigt konsistent, dass der Kauvorgang allein – unabhängig von den Inhaltsstoffen – die Wachheit erhöht und die Daueraufmerksamkeit unterstützen kann. Kombiniert mit funktionellen Inhaltsstoffen, die über die Mundschleimhaut aufgenommen werden, entsteht eine Darreichungsform, die mehr kann als die Summe ihrer Teile.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene Ernährung und eine gesunde Lebensweise. Individuelle Ergebnisse können variieren.

Quellen

Hirano, Y. & Onozuka, M. (2015). Chewing and Attention: A Positive Effect on Sustained Attention. BioMed Research International. → https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4449948/

Allen, A. P. & Smith, A. (2015). Chewing Gum: Cognitive Performance, Mood, Well-Being, and Associated Physiology. PMC. → https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4449949/

Smith, A. (2010). Effects of chewing gum on cognitive function, mood and physiology in stressed and non-stressed volunteers. Nutritional Neuroscience. → https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/20132649/

Smith, A. (2009). Effects of chewing gum on mood, learning, memory and performance of an intelligence test. PubMed. → https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19356310/

Haworth, E. et al. (2024). Immediate and residual effects of functional chewing gum on sustained attention and mood. Nutritional Neuroscience. → https://www.tandfonline.com/doi/full/10.1080/1028415X.2024.2379698

Choi, Y. et al. (2025). The Neural Correlates of Chewing Gum – A Neuroimaging Review. Brain Sciences. → https://www.mdpi.com/2076-3425/15/6/657

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